Kunst und Klang im Wald
Ein Herbstspaziergang zu Bronzeskulpturen.
Der Himmel ist grau, die Luft feucht und die Sonne nicht zu sehen. Ein Novemberwetter, um im Haus zu bleiben? Man mag es von drinnen nicht erahnen, aber wenn man erst einmal draußen ist, die frische Luft einatmet, über menschenleere Pfade stapft, das feuchte Laub im Wald riecht und dem Regen dabei zuschaut, wie er auf die Vechte prasselt, könnte es kaum schöner sein. Außer vielleicht nach einem Herbstspaziergang wieder zurückzukehren und sich gemütlich bei heißem Kaffee einzumummeln.
Ein gutes Ziel für einen Herbstspaziergang ist das Kunstwegen-Projekt bei Hestrup. In einem kleinen Waldstück erhebt sich unerwartet inmitten der flachen Landschaft ein Hügel, auf dem die Künstlerin Tamara Grcic das Kunstwerk „anderswohin“ geschaffen hat. Zwischen hohen Bäumen ragen aus dem dunklen Laub zwölf Bronzeskulpturen empor, in unterschiedlichen Höhen und Formen. Das Metall ihrer flachen Oberflächen ist glatt poliert und glänzt im Herbstlicht. Sie sollen an Trichterbecher aus der Jungsteinzeit erinnern, der jeweilige Skalierungsmaßstab ist in das glänzende Metall eingraviert. Tamara Grcic hat sich dabei von archäologischen Bodenfunden inspirieren lassen, die bei Baggerarbeiten für das Neubaugebiet entdeckt wurden, Keramikscherben aus der Jungsteinzeit, die von den ersten Bauern in Norddeutschland stammen.
Man kann die Kunstwerke betrachten, über sie klettern oder sich einfach auf ihnen niederlassen, um die Schönheit dieses mystischen Ortes auf sich wirken zu lassen und darüber nachzudenken, wie dieser Hügel wohl entstanden ist. Sein Ursprung ist bis heute ein Rätsel. Der Ausflug lässt sich gut mit einem Spaziergang entlang der Vechte verbinden, bei dem man auch über die Brücke auf die andere Uferseite gelangen und durch die Tillenberge laufen kann.
Weitere Informationen zu dem Kunstprojekt „anderswohin“ im Wald:
Das Kunstwegen-Projekt liegt in dem Waldstück neben dem Wohngebiet Hestrup/Nordhorn (Am Kreuzbree/ Am Berg).
https://www.kunstwegen.org/index.php?id=180&L=0
https://tamaragrcic.com/anderswohin

Inga Rahmsdorf ist geboren und aufgewachsen in Nordhorn. Sie studierte in Berlin und arbeitete bei der Süddeutschen Zeitung in München, bis sie sich nach 20 Jahren wieder vom Großstadtleben verabschiedete und mit ihrer Familie zurück in die Grafschaft Bentheim zog.